Liebes Morgensternchen,
Malkreis?
Ich hab ja einen langen Brief aus dem Urlaub versprochen. Also Egypten ist toll.
Kairo hat mir ganz besonders gut gefallen. Ich bin ja ein Stadtmensch.
Die Pyramiden sind wahnsinnig beeindruckend. Sind die gross, Mann. Und obwohl die Lightshow ein bisschen kitschig ist,auf jeden Fall machen.
( Die Fotos sind nicht etwa wegen dem Wuestensand so wischiwaschi, sondern Junior hat wissen wollen ob Fotoapparate schwimmen koennen! Argh!) ( Sie koennen uebrigens nicht....!) ( Dafuer kann Junior jetzt schwimmen!)
Jetzt sind wir in der Naehe von Hurghada. Ich hoere schon den Deinigen Goettergatten fragen, ob noerdlich oder suedlich. Unten drunter rechts? Ich hoere ihn schimpfen, das ist noerdlich oder eigentlich suedlich... aber wenn doch eine Karte immer Norden oben hat, kann ich doch oben sagen?! Wie dem auch sei, ich habe den Kompass vergessen und keine Ahnung ob ueber oder unter Hurghada!
Nun ja. Ich liege am Pool und sehe den Kindern zu, wie ihnen Schwimmhaeute zwischen den Fingern wachsen.
Neben mir liegt Rosa, leben in Paris bei Frankreich, und liest mir aus einem Magazin vor. Wir Frauen haben die gleiche Wellenlaenge. Wie Ertrinkende klammern wir uns an eine Brigitte, die eine andere deutsche Seele schon vor Wochen hier zurueckgelassen haben muss: Nachrichten aus der Heimat.
Rosa‘s Mann und Kinder verstehen sich blendend mit meinem Goettergatten und der Brut. Meistens sind sie fischen, golfen, bogenschiessen, war auch sehr beliebt, oder wie jetzt alle im Pool.
Unsere beiden Familien hatten also eine Ecke mit 8 Liegen belegt. Das war sehr komunikativ, so mit englisch, deutsch und franzoesisch. Die Stimmung in unserer multi-kulti Ecke war gut.
Wie wenig war uns bewusst, dass ein gnadenloser Stellungskrieg am Horizont lauerte.
Auftritt Herbert. Wie soll man Herbert beschreiben: Alles Ton in Ton, die neusten Marken, schoen gross irgenwo draufgedruckt... von high tech Badeschluppen, ueber die Badehose, bis hin zur Sonnenbrille (sehr gute Qualitaet, hat seinen Preis) alles in creme beige. Auch Frau von Herbert badeanzugmaessig auf dem neusten Stand und natuerlich passend zu Herbert. Dieser farblichen Vereinheitlichung ist die ganze Familie unterzogen worden: die zwei Kinder und nicht zu vergessen und zu uebersehen: Oma von Herbert.
Herbert, vielleicht hoehere Beamtenlaufbahn, hat etwas unnachgiebiges. Korrekt aber unnachgiebig, um genau zu sein.
Naechster Morgen: Handtuecher auf UNSEREN Liegen! Und zwar so in der Mitte platziert, das die Ecke fuer jeden anderen unbrauchbar ist. Er mit seinen fuenf Maennekes!
Maulend verziehen wir uns an den Kinderpool. Kampflos geben wir aber nicht auf. Rosa et moi ueberlegen den ganzen Tag wie wir Herbert empfindlich treffen koennen. Plaene werden diskutiert und wieder verworfen. Wir beschliessen die Kinder, wegen der Zeitverschiebung fuerchteliche Fruehaufsteher, mit Handtuechern bewaffnet am naechten Morgen loszuchicken.
Du glaubst es nicht, Herbert steht schon vor sechs auf! Rosa und ich geben uns fast geschlagen, als die Rettung in Form unserer Goettergatten, besten von allen, nahet.
Sie haben beschlossen, das sie tauchen gehen wollen. Das Boot faehrt allerdings schon um 5.00h morgens. Rosa und ich finden,dass ist noch mitten in der Nacht und lassen die Maenner ziehen.
Uns faellt sehr schnell auf das, die Goettergatten um 4:00 Uhr zum Fruehstueck muessen ... Die Maenner, werden jetztz stundenlang gebrieft wie genau sie die Handtuecher zu legen haben, und ziehen ab.
Herbertus, jetzt hast Du verlohren. Ha!
Die Liegen sind wieder unsere! Ha!Ha! Herbert tirgert von seiner neuen Position hin und her und her und hin. Wir hatten uns so plaziert, dass er gerade noch dazu passen wuerde, wenn er Oma opfert. So grausam ist er dann aber doch nicht...
Am naechsten morgen schlaegt uns Herbert wieder. Rosa und ich beschliessen aufzugeben und uns auch wichtigere Dinge zu konzentrieren, wie welches Spaerlebnis wir noch nicht ausprobiert haben. Das mit dem Schlamm klingt witzig. Fuer das, was ich den Kindern sonst immer verbiete, zahle ich hier freudig in Dollars. Komische Welt!
...dann wendet sich ganz uebrraschend, komplettamente das Blatt:
Die Hotelleitung entschuldigt sich vielmals, aber es muessen dringend Arbeiten am Whirlpool vogenommen werden.
Genau! Und der befindet sich in Herbert’s Ecke. Beim Anblick des Presslufthammers gibt Herbert auf.
Rosa und ich wechseln uns jetzt ab:
Einen Morgen steht sie frueh auf , um die Liegen zu behandtuchen und den anderen ich.
Heute war ich dran... 4:00 Uhr morgens...Rosa holt gerade die Diet Coke.
Hatte ich erwaehnt, dass die Bauarbeiter gut gebaut sind?
Dada dadah!
In diesem Sinne
Deine Eines M
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